Mompreneurs

Und es gibt sie doch: Working-Moms und Mompreneurs

Ich lese und höre immer wieder kritische Stimmen, dass es überflüssig oder gar hinderlich sei, sich als Working-Mom oder Mompreneur zu bezeichnen. Es spiele doch gar keine Rolle, ob man mit oder ohne Kind(er) arbeitet oder sich selbständig gemacht hat. Das sehe ich anders. In meinen Augen spielt eine große Rolle, in welcher Lebenssituation man oder frau sich bei der Gründung befindet.

An dieser Stelle möchte ich übrigens erwähnen, dass sich Working-Dads oder Dadpreneurs ebenso angesprochen fühlen dürfen, denn sie haben mit den gleichen Herausforderungen zu kämpfen. Allerdings liegt es in der Natur der Sache, dass ich aus eigener Erfahrung eher über die weibliche Sicht auf die Dinge schreibe…

 

Von der weiblichen Vollzeitkraft zur Working-Mom

 

Bevor meine zwei Kinder auf die Welt kamen, habe ich meinen Job vollzeit ausgeübt und ihn geliebt. Nach der Geburt meiner wunderbaren Kinder und zwei kurzen Elternzeitpausen konnte ich glücklicherweise den gleichen Job ausüben und das auch noch in Teilzeit. Doch natürlich änderte sich meine Sicht auf den Job als Working-Mom, denn es gab nun neue Situationen, die mir ab und zu einen gewaltigen Strich durch meine Rechnung machten, die es vorher nicht gab: Kinder werden krank, die Betreuung fällt plötzlich aus, im Kindergarten wird gestreikt – all‘ das sind Beispiele, die zusätzliche Herausforderungen darstellten, die ich vorher nicht meistern musste.

Es ist ein anderer Kraftakt, zusätzlich zu Projekten und Terminen im Job eine Familie in den Job – oder den Job in die Familie integrieren zu müssen, als ich es vorher ohne Kinder im Vollzeitjob gewohnt war. Dabei geht es erst einmal nicht um die Frage, habe ich mir das so vorgestellt oder nicht, sondern es ist eben so. Und ich habe versucht, so wie es alle Working-Parents auch tun, alle Bälle so gut es ging in der Luft zu jonglieren.

 

Mütter gründen anders

 

Vor mittlerweile fast vier Jahren habe ich mich selbständig gemacht. Meine Kinder waren damals 3 und 8 Jahre alt. Es war zuvor nie mein Ziel gewesen, selbständig zu sein. Es hat sich in der Zeit als Working-Mom einfach so entwickelt. Für mich bot die Selbständigkeit zum einen die ideale Möglichkeit, meinen Job noch besser mit meiner Familie in Einklang zu bringen und mir selber zudem neue berufliche Perspektiven zu schaffen. Aber es gibt ein paar Besonderheiten, wenn Mütter oder Väter gründen.

Eine Gründung erfordert im hohem Maße persönlichen Einsatz in der Vorbereitung und natürlich auch in der Umsetzung. Dieser Einsatz erfordert Zeit und diese Zeit steht Müttern eben nicht in unbegrenztem Maße zur Verfügung. Mitunter wird man deshalb gerne etwas belächelt und mit „Hobby-Gründerin“ oder „Nebenbei-Business“ betitelt. Das ist es aber mitnichten. Als Mompreneur habe ich die gleichen Schritte in der Gründung zu durchlaufen und die gleichen Hürden und Herausforderungen im Alltag von Selbständigen zu meistern, das aber häufig mit weniger Zeit, denn der andere Teil der Tageszeit steht der Familie, den Kindern zu.

Eine weitere Besonderheit bei der Gründung ist die Einbindung von der Kurzfristigkeit, in der sich Situationen z.B. durch die Erkrankung eines Kindes ändern können. Das kennen alle berufstätigen Eltern. Das wird mit der Selbständigkeit nicht anders. Aus diesem Grund dauern manche Prozesse in der Gründung oder späteren Selbständigkeit einfach länger, müssen aufgeschoben oder unterbrochen werden. Das ist einfach so, aber dennoch eine zusätzliche Herausforderung.

Und letztlich geht Selbständigkeit als Mutter nur im Team – mit dem Partner, mit der Familie, mit dem sozialen Umfeld, einem guten Netzwerk. Alles alleine schaffen zu wollen, ist kein guter Plan. Es braucht immer wieder die Unterstützung, wenn es eben zu unvorhergesehenen größeren oder kleineren Katastrophen kommt, die in den Businessalltag eingebunden werden müssen.

 

Mompreneur und Unternehmerin

 

Wenn ich mit meinen Kunden arbeite, spielt mein Mompreneur-Sein erst einmal keine große Bedeutung. Ich bin Profi und werde als solche inzwischen wahr- und ernstgenommen. Aber es gibt ein paar besondere Spielregeln, wenn man mit mir arbeitet: es gibt Zeiten, in denen bin ich nur für meine Familie erreichbar. Glücklicherweise gibt es inzwischen genügend technische Möglichkeiten, um trotzdem Wünsche und Anliegen von (potentiellen) Kunden entgegennehmen zu können – Emails und Anrufbeantworter tun für mich sehr gute Dienste.

Ich trage keinen Button auf meiner Website nach dem Motto „Bitte seien Sie nachsichtig mit mir – ich bin Mompreneur.“ Dort steht mein Business im Vordergrund. Aber wer mit mir als Person zusammenarbeitet, bekommt mich als Gesamtpaket: als Unternehmerin mit entsprechendem Know-how und als die, die auch deshalb so ist, wie sie ist, weil sie Unternehmerin und zugleich Mutter ist, Prioritäten setzen muss und deshalb zum Beispiel momentan weniger Aufträge realisieren kann, als es Vollzeitselbständige tun können.

 

Als Mompreneur sichtbar für andere

 

Mompreneur bin ich aber vor allem auch für andere Mompreneurs, denn es ist enorm wichtig, sich gegenseitig zu zeigen, wie es gehen kann und sich gegenseitig zu unterstützen. Für mich bedeutet das keineswegs ein Sich-Klein-Machen. Es ist vielmehr ein Signal an andere Mütter, die vor ähnlichen Fragen stehen, wie es es vor vier Jahren stand und sie heute noch kenne: Gründen als Mutter funktioniert! Und es darf ruhig ein bisschen stolz machen.

Und es ist ein Signal an die Wirtschaft: wo all‘ das Potenzial nach der Geburt von Kindern hingeht – in viele eigene Gründungen, wo es sich voll und ganz entfalten kann.

 


 

Wie sind Ihre Erfahrungen als Working-Mom/-Dad oder Mompreneur/Dadpreneur? Ich freue mich auf Ihre Kommentare!

 

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