Resilienz und Corona. Wenn kein Akkuaufladen möglich ist

Resilienz und Corona. Wenn kein Akkuaufladen möglich ist

Eigentlich habe ich für mich entschieden, dass ich mich nicht über die sozialen Medien o.ä. zu Corona äußere. Das bedeutet natürlich absolut nicht, dass ich dazu keine Meinung habe. Aber ich sehe sehr häufig, wie schwierig es in knappen Posts ist, Meinungen differenziert darzustellen, offen mit anderen Menschen darüber zu diskutieren, ohne dass es auf die persönliche Ebene geht, dass Anfeindungen oder Hate-speech die Oberhand gewinnen. Also lass ich es. Aber eine Sache ist mir aufgefallen, die möchte ich nun doch wenigstens in meinem Reich von FRAU HOFFMANN beschreiben und bin der festen Überzeugung, dass ich damit nicht alleine bin.

Wer schon mal ein wenig bei FRAU HOFFMANN gelesen hat, weiß, dass ich in den letzten Jahren durch manch schwere Krise gehen musste. Es waren gesundheitliche Krisen und glücklicherweise geht es mir heute wieder sehr gut. Mit den restlichen Einschränkungen, kann ich gut leben. Durch diese Krisen habe ich eines auf jeden Fall gelernt: Einen Durchhaltemechanismus für mich zu entwickeln, quasi ein Programm, dass ich aktivieren kann, damit ich einfach weiter machen kann mit meinem Alltag, meinem Leben. Mit einer Familie und zwei Kindern war das schon deshalb wichtig, nicht dauerhaft in ein Loch zu fallen, weiterhin so wie es geht vor allem den Kindern bei allem Realismuss Zuversicht, Sicherheit und einfach einen verlässlichen Alltag zu geben. Was die Zeit mit der Corona-Pandemie angeht, sehe ich allerdings tatsächlich einige Unterschiede zu meinen früheren Krisensituationen. Warum eigentlich?

Ressourcenakku tiefentladen

Wer sich schon einmal mit psychologischen Fragen beschäftigt hat, mit Resilienz und Achtsamkeit, weiß, wie wichtig es ist, seine eigenen Ressourcen immer wieder aufzuladen. Dieser Mechanismus verleiht uns Widerstandsfähigkeit für Stresssituationen und sorgt für den Ausgleich. Das ist hier ganz einfach erklärt – mir hat es allerdings immer genügt, um die Wichtigkeit der eigenen Ressourcen zu erkennen. So unterschiedlich wie die Menschen sind, so unterschiedlich sind auch ihre Wege, sich zu entspannen, für erholsamen Ausgleich zum stressigen Job oder Alltag zu sorgen, auf andere Gedanken zu kommen. Für viele Menschen sind es der Sport, alleine oder gemeinsam in der Gruppe, kulturelle Ausflüge in Theater, Museen oder auch Kinos, Konzertbesuche oder Treffen mit Freunden, die so wichtig sind für die eigene Ausgeglichenheit. Aber was macht man eigentlich, wenn all diese Quellen nicht zur Verfügung stehen? So wie seit einiger Zeit durch die Corona-Beschränkungen.

Der sichselbstaufladende Akku

Klingt seltsam? Ist aber das, was unsere Realität seid Corona ist. Ich stehe jeden Tag wieder vor der Herausforderung, mir zu überlegen, wie ich meine Akkus wieder auflade. Was kann ich tun, um in dem Rahmen, der gerade möglich ist, kleine Highlights zu kreieren? Wie komme ich auf andere Gedanken, verliere nicht den Kontakt zu Freunden und schaffe mir Räume, in denen kein Platz für Corona ist? Wie gebe ich meinen Kindern in dieser Zeit ohne Planbarkeit und wirklich konkrete Perspektiven, Zuversicht?

Mir hilft es immer wieder, Sport zu machen, am besten in der Natur. Beim Laufen, und das habe ich tatsächlich auch vor Corona immer alleine getan, kann ich alles ver- und abarbeiten, was in meinem Kopf und Gefühlsleben gerade so stattfindet. Bewegung hilft mir immer, auch aus schwierigen Situationen wieder herauszukommen. Stillstand ist nie gut und kann ein Gefühl der Hilflosikgeit erzeugen, das frustriert auf die Dauer. Wenn ich aber das wieder in die Hand nehme, was auch derzeit geht, komme ich in Bewegung.

Zeit für neue Hobbies

Ich höre immer wieder von Freundinnen und Freunden, dass sie für sich neue Hobbies entdeckt haben, wie z.B. Kochen, Yoga oder andere Aktivitäten, die keine Gruppen oder besondere Locations erfordern. Wichtig erscheint mir auf jeden Fall, sich bewusst Zeit zu nehmen, in denen Corona keine Rolle spielt. Ich schaue mir nicht mehr jede Talkshow zum Thema an, ich höre nicht mehr jede Stunde Nachrichten und bin dennoch über alles informiert. Aber ich kann selber den Fokus verschieben, auf das, was geht und was mir gut tut. Bitte glauben Sie mir, das klappt nicht jeden Tag gleich gut und auch mich erfasst hin und wieder der „Corona-Blues“. Doch ich bin mir sicher, dass das, was wir jetzt in dieser Zeit an Mechanismen entwickeln, uns selbst zu stärken, dem alltäglichen Corona-Wahnsinn zu entfliehen, uns auch über Corona hinaus begleiten und stärken kann.


Wie laden Sie Ihre Akkus derzeit auf? Haben Sie neue Aktivitäten für sich entdeckt? Schreiben Sie es gerne als Kommentar – ich freue mich auf Ihre Erfahrungen!

Wenn Sie das Gefühl haben, Sie kommen nicht alleine klar mit der schwierigen Situation durch Corona, holen Sie sich Hilfe! Es gibt sehr gute Angebote zur Unterstützung, die auch auf Distanz funktionieren.

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