Mein kleiner Krebs

Die Diagnose

Im Februar 2019 erhielt ich die Diagnose DCIS (Ductales Carcinoma in situ; gemäß Deutscher Krebsgesellschaft eine Brustkrebs-Frühform) sowie die Diagnose eines Morbus Paget, eine sehr seltene, spezielle Art von Brustkrebs, die meistens mit einem DCIS einher geht. Ich werde nicht allzu sehr in medizinische Details gehen. Nur das, was man zu meiner Geschichte wissen sollte, werde ich hier beschreiben. Ich möchte Ihnen damit vielmehr zeigen, wie ich mit dem Thema Brustkrebs umgehe und was die Diagnose für mich bedeutet. Denn das habe ich seit meiner Diagnose schnell gelernt: Jeder Brustkrebs ist anders, jede Frau erkrankt anders und somit ist jeder Verlauf auch anders und mit individuellen Entscheidungen verbunden.

Viele denken bei Brustkrebs direkt an Knoten, die die Frau selbst ertastet oder die während einer Untersuchung entdeckt werden. Doch Brustkrebs hat viele Gesichter. Bei mir war es ein Ekzem an der Brustwarze mit Ausfluss, das mich seit über einem Jahr mehr oder weniger beschäftigte, und das letztlich darauf hindeutete, dass etwas nicht stimmt. Kurz nach dem ersten Auftreten stellte ich das Ekzem bei einer Vorsorgeuntersuchung meiner Gynäkologin vor. Sie war sich nicht sicher, was es sein konnte, und empfahl mir, eine Heilsalbe aufzutragen und dann einfach mal zu schauen. Daran, dass es vielleicht auf eine ernstere Erkrankung der Brust zurückzuführen sei, dachte sie zu diesem Zeitpunkt nicht. Ich wurde damit nach Hause entlassen und lebte erst einmal über ein Jahr weiter mit dem Ekzem. Zeitweise trat sogar Besserung ein – aus dem Auge aus dem Sinn. Es kam dann aber immer wieder. Den Gedanken an etwas Bösartiges hatte ich nicht. Rückwirkend und mit den Berichten von Frauen, die eine ähnliche Symptomatik hatten, kann ich heute nur raten:

Liebe Frauenärztinnen und Frauenärzte, wenn Ihre Patientinnen mit einem einseitigen Ekzem an der Brustwarze mit Ausfluss zu Ihnen kommen, schicken Sie sie bitte so schnell wie möglich zu einem Brustzentrum, um eine bösartige Erkrankung auszuschließen.

Anfang Februar 2019 bei einer erneuten Vorsorgeuntersuchung überwies mich meine Gynäkologin nun doch zur Abklärung des nicht abklingen wollenden Ekzems ins nahegelegene Brustzentrum. Von da an ging es recht schnell. In einem ersten Untersuchungstermin wurde ein Ultraschall von beiden Brüsten gemacht, der komplett unauffällig war. Zur Sicherheit wurde dann doch noch vor Ort eine Mammographie vorgenommen. Kurz nach der Untersuchung erfuhr ich am gleichen Tag, dass in der betreffenden Brust eine Ansammlung an Mikrokalk gefunden wurde. Der Befund alleine genüge aber nicht, um zu wissen, ob er harmlos oder bereits eine Vorstufe oder Frühform von Brustkrebs sei. Dies musste weiter untersucht werden durch eine Stanzbiopsie der Brust. Eine Woche später folgte die sog. Vakuumstanzbiopsie. Nun ja, sie als angenehm zu bezeichnen, wäre gelogen. Aber man kann es alles in allem gut verkraften und mit kleinem Aufwand eine gute und wichtige Diagnostik betreiben.

Das Warten auf das Ergebnis, auch wenn es nur wenige Tage dauerte, war für mich – und so weiß ich es auch von anderen betroffenen Frauen – die Hölle. Man hofft und bangt gleichzeitig. Als das Ergebnis endlich da war, war ich natürlich geschockt, aber die Klarheit um die Diagnose und um das, was nun kommen sollte, tat paradoxerweise irgendwie gut. Um es kurz zu machen: Bei meinem Mikrokalk handelte es sich um ein sogenanntes DCIS (Ductales Carcinoma in situ), bei der es sich laut der Deutschen Krebsgesellschaft um eine Brustkrebs-Frühform handelt. Das Gute daran, in dieser Frühform entstehen noch keine Metastasen, das Ganze begrenzt sich also auf den Tumor im Brustgewebe. Auch waren bei mir keine Lymphknoten betroffen. Deshalb betitele ich meinen Beitrag übrigens auch mit „Mein kleiner Krebs“. 😉 Dennoch musste das Tumorgewebe entfernt werden und anschließend eine Strahlentherapie erfolgen.

Nur ca. 2 Wochen später wurde ich das erste Mal brusterhaltend operiert. Zudem wurde bei dieser Gelegenheit durch eine Biopsie des Ekzems das erkrankte Gewebe der Brustwarze untersucht. Mir wurde bereits vor der Operation gesagt, dass es zu 50% sein kann, dass der DCIS nicht beim ersten Mal vollständig im Gesunden entfernt werden kann. Das bedeutet, dass ein gewisser Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe im operierten Gewebe nachgewiesen sein muss. Da es während der Operation mit dem bloßen Auge nicht erkennbar ist, stellt sich erst einige Tage nach der Operation durch den pathologischen Befund heraus, ob noch einmal operiert werden muss. Bei mir war es leider der Fall, ich musste noch einmal nachoperiert werden.

Da sich bei diesem Befund auch herausstellte, dass ich tatsächlich den Jackpot geknackt hatte und auch den selten auftretenden Morbus Paget hatte, stand nur drei Tage später die zweite Operation für mich an: vollständige Entfernung des DCIS und Entfernung der Brustwarze. Im Gefühl hatte ich es irgendwie schon vorher, dass es so sein könnte, aber wenn es dann tatsächlich so kommt, schockt es doch ziemlich.

Auch die zweite Operation verlief gut und ich durfte zwei Tage später nach Hause. Medizinisch gesehen hatte ich großes Glück, an so kompetente Ärzte gekommen zu sein. Es ging alles sehr schnell von der Diagnose bis zu den Operationen und inzwischen weiß ich, dass in manch anderen Fällen ein DCIS von meiner Größe (5cm) nicht immer brusterhaltend operiert wird. Auch das Operationsverfahren zur Entfernung des Morbus Paget bzw. der Brustwarze entsprach neuesten Methoden, die neben der medizinischen Versorgung von Anfang an ein möglichst gutes kosmetisches Ergebnis für die Frau verfolgt – lange übrigens, bevor das für mich ein Thema wurde, ich war anfangs überhaupt noch nicht bereit für kosmetische Fragen. An dieser Stelle übrigens ein großer Dank von mir an das Team vom Brustzentrum des Ketteler Krankenhauses in Offenbach. Und auch deshalb mein Tipp an Sie und an Ihre Frauenärztin:

Suchen Sie zur Diagnostik und Behandlung möglichst Ihr nächstgelegenes Brustzentrum auf. Hier sind Spezialisten am Werk, die Sie kompetent und einfühlsam beraten und behandeln. Im Internet finden Sie Auflistungen von zertifzierten Brustkrebszentren auch für Ihr Bundesland.

Bei mir handelt es sich um einen DCIS mit einem Grading zwischen 2-3 (Grad 1-3 bezeichnet laut Deutscher Krebsgesellschaft die Aggressivität bzw. Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors), somit schließt sich bei mir eine Bestrahlung der Brust an. Natürlich habe ich mich hier über die Vor- und Nachteile informiert und wurde über die möglichen – hoffentlich nicht eintretenden – Nebenwirkungen informiert. Aber ich möchte jede Therapie mitnehmen, die die Wahrscheinlichkeit auf ein Minimum senkt, dass der Brustkrebs wiederkommt.

Nach 7 Wochen Heilung habe ich endlich in der vergangenen Woche mit der ersten von 28 Bestrahlungen begonnen. Noch geht es mir gut, aber vielleicht berichte ich in einem meiner nächsten Beiträge darüber, wie es weiterging mit der Bestrahlung. Ein anderes Thema ist die Tatsache, mit einem veränderten Körperbild umgehen zu müssen. Und das braucht sicher noch einige Zeit.

Warum schreibe ich das alles hier im Internet mit so persönlichen Details? Ich habe mir tatsächlich lange überlegt, ob ich wirklich so viel preisgeben möchte. Aber letztlich war ich selbst auf der Suche nach Erfahrungen von anderen Frauen. Und ich möchte Ihnen zeigen, dass es wie bei den meisten Erkrankungen nicht DEN Brustkrebs gibt, dass er sich bei jeder Frau anders zeigt, anders verhält und anders behandelt werden kann. Und dass man mit dieser Diagnose umgehen kann – ich bin zwar noch am Lernen, aber es geht mir jetzt gut damit, denn es hätte mich auch weitaus schlimmer treffen können. Aber es gibt auch bei mir dunkle Tage mit blöden Gedanken, denn auch mein „kleiner Krebs“ könnte sich schließlich dafür entscheiden, eines Tages wiederzukommen. Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Ich freue mich, wenn ich Sie mit meinem Beitrag in einer ähnlichen Situation etwas ermutigen kann weiterzumachen.

Es bloggte Kerstin Hoffmann-Wagner

Foto: Business Fotografie Frau Winkelmann

12 Gedanken zu „Mein kleiner Krebs

  1. Liebe Kerstin,

    dass du dich dazu entschieden hast, offen mit der Diagnose umzugehen, empfinde ich als große Bereicherung.
    Du kannst damit eigentlich nur gewinnen. Vor allem hilfst du damit anderen Menschen, die ermutigt werden möchten.

    Dir wünsche ich einen wunderbaren Genesungsweg mit viel #glückspeng.

    Herzliche Grüße
    Sabine

    1. Liebe Sabine,
      ich freue mich sehr über Deine schönen Zeilen. Hab Dank dafür!

      Du bist mit Deinem wunderbaren Buch „Krebs ist, wenn man trotzdem lach“ ein wichtiger Motor für mich gewesen, darüber zu schreiben, um das Geschehene zu verarbeiten.

      Ganz herzliche Grüße, Kerstin

  2. Liebe Kerstin,
    Danke für deine Offenheit! Und wenn dein Blogbeitrag nur eine einzige Frau unterstützt, hast du damit Großes getan.
    Wie mit so vielen Dingen im Leben, hilft es Betroffenen doch am meisten, zu wissen, dass sie nicht alleine sind!
    Ich wünsche dir weiterhin viel Mut und Kraft! Und die allerbesten Wünsche für deine Genesung! Liebe Grüße
    Martina

    1. Liebe Martina,
      hab Dank für Dein schönes Feedback! Das tut mir gerade jetzt sehr gut.
      Herzliche Grüße und hoffentlich bis bald, Kerstin

  3. Liebe Kerstin,
    es gehört sehr viel Mut dazu über das zu schreiben, was du gerade erlebst, aber wie du so schön schreibst, kannst du mit Deinem erlebten vielleicht anderen Frauen helfen. Danke für deine Offenheit. Ich wünsche dir viel Kraft und gute Genesung.
    Herzliche Grüße Petra

      1. Liebe Kerstin,
        danke, dass du uns an deiner Geschichte teilhaben lässt.
        Ich wünsche dir ganz viel Kraft bei allem was du noch zu bewältigen hast.
        Fühle dich herzlich umarmt.
        Alles Liebe und Gute
        Anja

  4. Liebe Kerstin,
    damit hilfst du anderen Frauen garantiert. Mir haben solche Erfahrungsberichte jedenfalls Mut gemacht, als ich auf das OP-Ergebnis gewartet hab.
    Vielleicht magst du ja auch irgendwann einen Artikel im Magazin ‚Mamma Mia!‘ veröffentlichen….den Kontakt kann ich herstellen.
    Dicker Drücker
    Yvonne

    1. Liebe Yvonne,

      herzlichen Dank für Dein schönes Feedback und das Angebot. Vielleicht komme ich noch drauf zurück – ein bisschen Zeit braucht es dafür sicher noch 😉

      Herzliche Grüße und bis bald, Kerstin

Schreibe einen Kommentar