Mein kleiner Krebs – Teil 3

Geduld und Vertrauen

In meiner Blogserie „Mein kleiner Krebs“ schreibe ich über meine Brustkrebsdiagnose und wie es für mich damit weiterging. Anfangs hatte ich lediglich vor, mich durch das Schreiben darüber ein stückweit aus meiner gefühlten Isolation auf dem Planeten Krebs zu befreien. Doch mittlerweile habe ich bereits auf die ersten beiden Beiträge ein so wahnsinnig positives und berührendes Feedback bekommen und durch viele Nachrichten erfahren, dass ich scheinbar auch anderen Frauen in ähnlichen Situationen damit Mut mache. Also schreibe ich einfach weiter, bis sich auch bei mir der Fokus wieder auf das „normale“ Leben richtet.

Geduld und Vertrauen, die Themen in diesem dritten Teil, sind zwei Weggefährten, die mich seit meiner Diagnose wirklich hart auf die Probe stellen. Was mir anfangs noch nicht so klar war: Nur mit Geduld und Vertrauen kommt man gut durch die Zeit auf dem Planeten Krebs.

Die eigene Geduld wird in der Regel gleich zu Beginn gefordert: Beim Warten auf die ersten Befunde. Viele Betroffene bestätigen meinen Eindruck: Das Warten ist die Hölle. Zu diesem Zeitpunkt sind noch alle Szenarien möglich – zumindest denkt man das zu diesem Zeitpunkt noch… Zum Glück ging es bei mir ab dem Zeitpunkt der Diagnose recht schnell. Ich bekam zeitnah meinen Operationstermin und dann ging alles sehr zügig. Aber auch hier wieder immer wieder geduldig sein, weitere Befunde abwarten und vor allem: Die Heilung abwarten. Hier muss ich zugeben hatten meine Geduld und ich die größten Probleme miteinander. Zu akteptieren, dass Heilung nicht auf Knopfdruck passiert und seine Zeit braucht, fällt mir auch heute noch schwer. Zweimal wurde der Beginn meiner Bestrahlungen verschoben, weil die Narben noch Zeit brauchten. Ich rechnete im Kopf schon hin und her, wie sich alle Vorhaben wie Urlaub, Arbeiten etc. immer weiter in die Ferne schoben. Auch jetzt nach Ende der Bestrahlungen habe ich wieder mit Heilung zu tun – die Auswirkungen der Bestrahlungen, die bei jedem Menschen anders ausfallen, spüre ich recht stark. Und das hindert mich daran, in meinem gewohnten Tempo mein Leben wieder aufzunehmen. Erst jetzt merke ich, wie rastlos ich eigentlich bin, und wie schwer es mir fällt, im Hier und Jetzt zu bleiben. Ich lerne gerade – und das mit Ende 40 – Dinge so anzunehmen, wie sie gerade nun mal sind. Nicht einfach für jemanden wie mich, die die Ungeduld in Person ist.

Vertrauen ist das zweite Thema, ohne das es für mich schwierig scheint, in Richtung Genesung zu gehen. Gleich zu beginn fällt man als frisch Diagnostizierte in eine Art Maschinerie – so beschreiben es viele an Krebs Erkrankte. Diagnose – weitere Schritte wie Operationen – Therapien etc. Auch mich hat das Gefühl ziemlich schnell eingeholt und um meine Gedanken etwas zu ordnen, habe ich mir noch eine weitere Meinung eingeholt. Aber auch hier bestätigte sich das geplante weitere Vorgehen. Und somit war für mich klar: Ich vertraue den Menschen, die sich jetzt um mich kümmern. Glücklicherweise hatte ich immer das Gefühl, in meinem Brustzentrum gut aufgehoben zu sein. Deshalb gab es für mich auch keine Alternative: Ich nehme an, was mir vorgeschlagen wird, und vertraue auf die gesamte Kompetenz der Ärzte*innen um mich herum. Bis jetzt bin ich damit gut gefahren und glaube, dass mich dieses Vertrauen ein gutes Stück ruhiger gemacht hat mit dem was kommt umzugehen.

Im Nachhinein sagen viele Menschen, die eine ernste Erkrankung gut überstanden haben, es habe sie weitergebracht, stärker gemacht oder verändert. Bis jetzt hatte ich dieses Gefühl bei mir noch nicht, obwohl ich es aus anderen Situationen schon ähnlich erlebt habe. Aber ich merke, dass meine Erkrankung auch mit mir als Person etwas macht, dass ich einen Prozess durchlaufe, der mich vor allem lehrt, kleine Schritte zu machen, einen nach dem anderen, und die kleinen Dinge zu sehen und dankbar zu sein. Und er leert mich eben auch, Geduld und Vertrauen zu haben.

Mein keiner Krebs – Teil 1

Mein kleiner Krebs – Teil 2

Es bloggte: Kerstin Hoffmann-Wagner

Foto: Kerstin Hoffmann-Wagner

2 Gedanken zu „Mein kleiner Krebs – Teil 3

  1. Liebe Kerstin,
    ich bin gerade in deinen Blog gestolpert.
    Ich wünsche dir natürlich gute Genesung an erster Stelle.

    Ich kann man natürlich nicht 1 zu 1 in deine Lage versetzen, daber was ich dir wünsche ist, außerhalb der Schnelllebigkeit heutzutage Dinge zu genießen und bewusst wahrzunehmen. Denn ich denke, daraus schöpfen wir viel Energie. Und die bracuhst du nun mal.
    Sei liebevoll zu dir selbst, aber ich denke (lese) das bist du bereits!

    1. Vielen lieben Dank, Mariane, für Deine schönen Worte! Und ja, Du hast Recht: Im normalen Alltagstrott und -tempo bewusst zu leben, wird eine Herausforderung, aber ich gehe sie optimistisch an!

      Herzliche Grüße,
      Kerstin

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