Krebs kann nicht jeder – die Wichtigkeit einfühlsamer Nachsorge

Lange Zeit habe ich jetzt nicht mehr über meine Brustkrebserkrankung geschrieben. Mittlerweile ist die Diagnose genau ein Jahr her, mir geht es gut und ich bin gesund (in meiner Blogreihe „Mein kleiner Krebs“ finden Sie alles zu meiner Erkrankung 2019). In diesem Beitrag geht es nun um das Thema Brustkrebsnachsorge.

Nachsorge ist wichtig und gut

Doch nun kam ein neues Thema im Kapitel Krebs auf mich zu: die Nachsorge. Sie steht für alle, an Krebs erkrankten Menschen irgendwann auf dem Plan und begleitet einen mehrere Jahre lang. Das ist auch gut so, denn auch ich möchte im besten Falle bestätigt wissen, dass ich weiterhin gesund bin, und im schlechten Fall so früh wie möglich erfahren, wenn die Erkrankung zurückgekommen ist, um handeln zu können.

Ich hatte bereits Ende letzten Jahres meinen ersten Nachsorgetermin – den Ultraschall. Natürlich war ich aufgeregt, aber glücklicherweise konnte ich diesen Termin im meinem mir vertrauten Brustzentrum durchführen lassen. Dort wurde seinerzeit die Diagnose gestellt, dort wurde ich operiert und dort kennt man mich. Alles verlief gut mit gutem Ergebnis. Nun stand die erste Mammographie nach meiner Erkrankung und der Therapie an, die ich leider (wie mir gesagt wurde) aus Versicherungsgründen nicht in meinem Brustzentrum durchführen lassen durfte, sondern in einer frei gewählten radiologischen Praxis. Ich suchte mir also eine Radiologiepraxis in meiner Nähe. Bei diesem Termin war ich um einiges aufgeregter, denn auch durch die Mammographie erst wurde im vergangenen Jahr das Tumorgewebe entdeckt, weil es noch so klein war. Was ich aber jetzt erlebte, konnte ich zunächst nicht begreifen.

Sorry, ich hatte Krebs

In dem im Anschluss an die Aufnahme stattfindenen Gespräch, stand eine schockierte Ärztin vor mir, die nachdem sie kurz ihren Namen sagte, mich mit den Worten „das gefällt mir gar nicht, was ich da sehe“ begrüßte. Bäm. Gefühlt fiel ich innerlich gerade zwei Stockwerke tiefer, fragte aber dennoch gefasst nach dem Warum. Es kam nun eine Menge Gründe von man könne ja auf den Aufnahmen gar nichts richtig erkennen, im Vergleich zu den Aufnahmen der Diagnose würde nichts mehr an der Stelle sein, wo es damals war, durch die Operation und Bestrahlung würde man ja gar nichts mehr zuordnen und deuten können – es ging so weiter und weiter. Das Ergebnis: Eine Überweisung zurück an mein Brustzentrum ggf. zum MRT, Biopsie und weiteren Abklärung.

Da stand ich nun wie ein getroffenes Reh und verstand nichts mehr. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, ich müsste mich dafür entschuldigen, dass ich ihr die Arbeit machte mit so einer durchoperierten und bestrahlten Brust. Das Gespräch endete so abrupt wie es begonnen hatte mit einem „Tut mir leid, dass ich Ihnen nichts anderes sagen kann – auf Wiedersehen“.

Verantwortung für das Danach

Nach einigen Gesprächen habe ich nun mitbekommen, dass solch Mangel an Einfühlungsvermögen bei Ärzten*innen, die die Nachsorge übernehmen, nicht selten ist. Das wirft bei mir die Frage auf, nach dem Selbstverständnis und dem beruflichen Verständnis der betreffenden Mediziner und Medizinerinnen. Ist es zuviel verlangt, der Patientin mit einem Mindestmaß an Empathie zu begegnen? Krebserkrankungen bedeuten für viele Menschen existentielle Ängste, Schmerzen, mitunter lange Therapien, psychische Belastungen und sie nehmen zu, wenn man den einschlägigen Medien und Statistiken glauben kann. Umso wichtiger ist es, verständnisvolle und empathische Fachleute mit der Nachsorge zu betrauen.

Kein*e Patient*in ist so blauäugig, nicht auf dem Schirm zu haben, dass es nicht auch bei der Nachsorge ein erst einmal beunruhigendes Ergebnis geben kann. Und mit der eigenen Vorgeschichte steigen bei schlechten oder nicht eindeutigen Nachrichten verständlicherweise große Ängste und Sorgen auf, die je nach eigener psychischen Verfassung für ein absolutes Tief sorgen können. Offenheit seitens der Ärztin oder des Arztes, wenn tatsächlich aufgrund der Vorgeschichte keine eindeutige Diagnose getroffen werden kann, ist richtig und wichtig. Aber ebenso die Fähigkeit, genau so einen Sachverhalt auch entsprechend verständnisvoll zu übermitteln.

Qualifikation für die Seele

Gerade bei Krebserkrankungen und der Begleitung der Erkrankten während und nach der Therapie halte ich die psychologische Ausbildung des medizinischen Personals für fast genauso wichtig wie die medizinische. Doch genau daran hapert es nach meiner Erfahrung immer wieder. Warum nicht ein Zertifikat einführen über eine Zusatzqualifikation wie „onkologische Begleitung“ oder „onkologische Nachsorge“. Die Behandlung und Nachsorge betrifft eben nicht nur Onkologen und Onkologinnen, die mit diesem Thema tagtäglich in Kontakt kommen, sondern auch die niedergelassenen Fachleute für Gynäkologie, Radiologie u.a.

Ich werde zum Glück noch immer psychoonkologisch betreut und hatte hier eine gute Stelle, die mich neben meiner Familie nach diesem Erlebnis aufgefangen hat. Aber künftig würde ich gerne auf derartige Termine verzichten und offen, ehrlich und einfühlsam meine obligatorischen Nachsorgetermine wahrnehmen.

Es bloggte Kerstin Hoffmann-Wagner

Foto: pixabay.com

Wenn Sie ähnliches erlebt haben oder Tipps für Betroffene haben, freue ich mich auf Ihre Kommentare!

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