Bewerbung mit 40 plus

Jobwechsel 40plus – warum in die Ferne schweifen?

Mit ungefähr 40 Jahren hat man schon einige Berufserfahrung gesammelt. Mit der Zeit kann sich die Frage nach einer Veränderung aufdrängen, denn man wird noch einmal so viele Jahre im Berufsleben verbringen wie bisher.
Wer in diesem Alter schon nach einem neuen Job suchen musste, weiß, wie schwierig es ist, in ein neues Unternehmen hineinzukommen. Ist die Ausgangsbasis für die Suche ein fester Job in einem nicht zu kleinen Unternehmen, kann ein interner Jobwechsel eine gute Alternative sein.
Genau diesen Weg habe ich vor einigen Jahren gewählt. Trotz der gewohnten Strukturen und dem bekannten Umfeld bedeutete der Wechsel innerhalb meines Unternehmens Mut, vertrautes Terrain zu verlassen und etwas Neues zu wagen. Für mich hat es sich gelohnt.

 

Gedanken vor der Bewerbung


Als ich von der Kündigung der Einkaufsleiterin der Tochterfirma, die am selben Ort ansässig ist, erfuhr, begannen die Gedankenspiele. Sollte ich mich bewerben? Wäre es eine Weiterentwicklung? Gab es eine Rückfahrkarte? Reichten meine Vorkenntnisse aus?

Dafür sprach, dass ich das Team vom Sehen kannte und meine jahrelang aufgebauten, internen Kontakte würde weiter nutzen können. Dagegen sprach, dass ich mich bei einer offiziellen Bewerbung vor meinen Vorgesetzten outen müsste, weil es im Haus so üblich war. Ich müsste die Sicherheit meines vertrauten Sortiments Einkäuferin für Schuhe und Accessoires verlassen und mich neuen Warengruppen widmen.

 

Die Bewerbung

 

Nach einigen Tagen des Abwägens habe ich mich beworben – mit offiziellem Anschreiben und Lebenslauf. Ich wurde zu einem Gespräch mit der Personalleitung und der Geschäftsführung der Tochterfirma eingeladen. Wenige Tage später hatte ich die Zusage. Der Übergang in die neue Abteilung war schnell ausgehandelt. So verließ ich nach mehr als zehn Jahren die Welt der Schuhe und Accessoires, um in eine für mich völlig neue Welt mit unbekannten Warengruppen und Personalverantwortung zu starten.

 

Die ersten Tage


In den ersten Tagen hat mich meine Vorgängerin in das Sortiment eingeführt, das zu einem großen Teil aus Miederwaren bestand. Alle BH’s sahen für mich gleich aus. Für den Einkauf der Sortimente Schuhe und Hartwaren gab es eigene Einkäuferinnen, die es zu führen galt. Innerhalb der ersten Wochen habe ich mit jedem Mitarbeiter der Abteilung ein Kennenlern-Gespräch geführt. Jeder hat sich gefreut, dass nicht nur die Arbeit, sondern auch die Person im Mittelpunkt stand.

 

Schwimmen lernen


Ich musste mich in mein eigenes Sortiment finden und übernahm gleichzeitig Personalverantwortung. Ich habe viele neue Lieferanten kennen gelernt. So fand ich mich schnell in Kollektionsvorlagen für die neuen Produkte. Eine eigene Welt mit neuen Begriffen, die ich gleich auf Englisch lernen musste. Mit der Unterstützung der Lieferanten, die mich durch ihr Sortiment führten, ging es sehr gut.
Die erste Saison war gefüllt mit vielen schlaflosen Nächten, Herantasten an das Team – sieben Personen, alle per Du. Das habe ich dann auch bald jedem angeboten. Ich entwickelte meinen eigenen Führungsstil.

 

Fazit


Nach vier Jahren bin ich angekommen, vielleicht war es auch schon im 3. Jahr. Der Wechsel hat mein Gehirn ordentlich durchgepustet. Denn obwohl mir sehr viele Abläufe vertraut waren, ist der Alltag in einem kleinen Unternehmen sehr viel unmittelbarer als in einem größeren Konzern. Ich bin tief in die neuen Sortimente eingetaucht, und inzwischen habe ich sie richtig lieb gewonnen.

Es ist schön zu sehen, wie sich interne Kontakte gefestigt und externe Kontakte entwickelt haben. Alte Kontakte zu Lieferanten musste ich nicht aufgeben, denn die Welt der Schuhe ist mir erhalten geblieben. Als Einkaufsleiterin bin ich für das gesamte Sortiment verantwortlich, und ich genieße das Wiedersehen auf Messen.

Ich kann jeden nur zu so einem Schritt ermutigen. Es lohnt sich auf jeden Fall. Der Horizont wird weiter, man läuft nicht Gefahr, „einzurosten“ und die Sicherheit der Lebens- und Berufserfahrung sollten wir in unserem Alter nicht zu gering einschätzen.

 

Es bloggte Gabriele Hoffmann-Hegger.

 


Wie sehen Ihre Erfahrunge mit einem Jobwechsel über 40 aus? Wir freuen uns über Ihre Kommentare und Nachrichten!

 

 

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