Iss doch, was du willst oder was ist eigentlich normal?

Kennen Sie das auch? Sobald man irgendwie von der Norm abweicht im eigenen Verhalten, muss man sich gefühlt andauernd rechtfertigen. Das betrifft vor allem das Thema Essen. So jedenfalls habe ich es in den vergangenen zwei Jahren erlebt, seit ich auf ein paar Dinge in meiner Ernährung achte.

Ich tue dies nicht, weil ich unbedingt Lust darauf habe oder weil ich einem Trend folge. Ich achte auf bestimmte Dinge in meiner Ernährung, weil es mir anderenfalls einfach nicht gut geht. Durch die Reaktionen meiner Umwelt erfahre ich allerdings immer wieder, dass ich erklären muss, warum ich so esse, wie ich esse oder auch nicht. Wie sieht aber diese Norm aus, von der ich so abweiche, dass ich immer wieder angesprochen werde und mich rechtfertigen soll?

Alkohol trinken ist noch immer normal

Seit zwei Jahren trinke ich nach einer Darm- und Gallenerkrankung keinen Alkohol mehr. Einfach aus Vorsicht und weil es mir so besser geht. Ich komme dadurch immer wieder in Situationen, in denen ich das erklären muss. „Du trinkst keinen Alkohol? Bist Du etwa schwanger?“ oder auch einfach die Frage nach dem Warum. Bestellt man in einer geselligen Runde ein Glas Wein oder Bier muss keinesfalls eine Begründung geliefert werden, es ist normal.

Als weiteres Überbleibsel dieser Erkrankung meide ich fettreiche Speisen, weil sie mein Körper nicht richtig verarbeiten kann, es geht mir dann nicht gut. Also meide ich zu fettes Essen. Aber auch hier wird häufig von mir eine Erklärung erwartet. „Warum achtest Du auf Fett? Du musst doch echt nicht auf Deine Figur achten.“ Stimmt – bei 1,80m bin ich mit meiner Figur und meinem Gewicht zufrieden, aber genau darum geht es nicht. Fett macht mir Probleme und auch das muss ich erklären.

Mein persönliches Ernährungs-Bullshit-Bingo

Wenn ich unterwegs bin auf Veranstaltungen, wähle ich meistens das vegane Essen. Es bekommt mir in der Regel besser, weil ich pflanzliche Fette besser verarbeiten kann und so unterwegs kein Risiko eingehe, dass ich die Veranstaltung aufgrund von Verdauungsproblemen in schlechter Erinnerung behalten könnte. Und dreimal dürfen Sie raten: Genau, auch hier bin ich sehr häufig gleich im Gespräch, ob ich den Veganerin sei. Nein, das bin ich nicht. Ich esse sogar recht gerne Fleisch, wenn ich weiß, dass ich es vertrage.

Und dann ist da ja noch der neue Trend, das Intervallfasten. Auch so ein Thema, bei dem ich mich kaum noch äußere. Denn auch hier wird immer wieder nach Erklärungen gefragt, wenn ich sage, dass ich sehr regelmäßig und ohne zu große Pausen essen muss. Tue ich es nicht, wird es mir ziemlich schnell ziemlich unwohl.

Bitte mehr Gelassenheit, wenn’s um’s Essen geht!

Warum können wir uns eigentlich nicht essen lassen, was wir für uns und unseren Körper für richtig halten? Wer legt eigentlich fest, was der Norm entspricht? Das frage ich mich vor allem in Bezug auf den Alkoholkonsum schon seit längerem. Ist es noch heute wirklich so unüblich, keinen Alkohol zu trinken? Offensichtlich, denn sonst wäre das nicht immer wieder ein Thema.

Bei all‘ den vielen Trends, die es heutzutage rund um das Essen gibt, wünsche ich mir einfach mehr Gelassenheit und weniger den Drang, andere sofort nach den Gründen zu fragen, wenn etwas an ihrem Essverhalten nicht der Norm entspricht. Und genau diese Norm sollten wir ebenfalls so langsam überdenken und jeden Mensch selber entscheiden lassen, was gut für ihn ist.

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