Gründen mit 40+

Gründen mit 40+ – ich würde es wieder tun!

In der letzten Zeit fallen mir viele Umfragen und Berichte auf, die sich mit der Frage nach dem idealen Gründungszeitpunkt, besser gesagt Gründungsalter, beschäftigen. Ist es besser, direkt nach dem Studium, jung, mutig, frei, voller Ideen zu gründen oder verläuft die Gründung erfolgreicher, wenn man über mehr Berufs- und Lebenserfahrung verfügt, bereits unterschiedliche Job- und Lebensphasen gemeistert hat?

Gleich zu Beginn sei gesagt: es gibt nicht DAS ultimativ richtige Alter, um sich selbständig zu machen! Aber aus meiner Sicht kann ich heute sagen, dass ich erst jetzt die nötigen Voraussetzungen mitbringe.

 

Wissen muss reifen

 

Ich wusste beispielsweise mit Mitte 20 noch nicht, ob ich in meinem damaligen Beruf überhaupt bleiben wollte. Ich hatte ein Diplom in einem Beruf, der nicht meine Leidenschaft war und auf der Suche nach etwas Neuem. Aber mit dem Wissen von damals hätte ich mich nie selbständig machen können.

Erst mein zweiter Beruf, den ich mit Begeisterung übernommen habe, hat mir dann das nötige Rüstzeug gebracht, um mich später damit selbständig zu machen. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, mit den unterschiedlichsten Menschen zusammengearbeitet und mein Wissen ständig durch Weiterbildungen ergänzt. Mit diesem beachtlichen Schatz an Know-how ist auch das Selbstvertrauen gewachsen, mich damit selbständig machen zu können.

 

Persönlichkeit muss reifen

 

Warum habe ich mich mit über 40 erst selbständig gemacht und nicht schon früher? Ganz einfach: weil es eigentlich nie mein Plan war. Es hat sich so ergeben – wie so viel im Leben. Durch die Geburt meiner beiden Kinder haben sich Dinge verändert, Prioritäten verschoben, so dass das alte Berufsleben nicht mehr dazu passte, nicht mehr recht funktionierte. Alternativen gab es für mich nicht wirklich und so fasste ich ganz rational den Entschluss: dann mach ich meine eigene Firma auf!

Noch 5 Jahre zuvor hätte ich nie daran gedacht. Aber mit den Erfahrungen als sogenannte Working-Mom, als berufstätige Mutter, die wie so viele andere auch jeden Tag versucht, alle Bälle in der Luft zu halten und es allen recht zu machen, habe ich gelernt, die Dinge anders zu betrachten. Zum Beispiel, meine Energie nicht mehr in Dinge zu lenken, die ich nicht ändern kann. Sondern mich auf das zu konzentrieren, was ich aktiv beeinflussen kann. Das hilft mir heute in der Selbständigkeit ungemein.

 

Wenn nicht jetzt, wann dann?

 

Den richtigen Zeitpunkt für einen entscheidenden Schritt zu erkennen, hat vermutlich auch etwas mit innerer Reife zu tun – bei mir jedenfalls. Ich bin kein sehr geduldiger Mensch, aber mit 42 war klar: jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, etwas Neues zu wagen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Und dieses Abwägen, was jetzt angebracht ist und was noch warten kann und muss, kann ich erst jetzt mit zunehmendem Alter. Und es ist seit ich selbständig bin, zu meinem täglichen Mantra geworden: geduldig zu sein, jeden Schritt gut abzuwägen und mit kleinen Schritten auf größere Ziele hinzuarbeiten.

Gibt es den idealen Zeitpunkt, um zu gründen? Ich glaube nicht. Vieles ergibt sich eben, wie so vieles im Leben. Aber rückblickend kann ich sagen, dass es für mich mit 42 der beste Zeitpunkt war, mich selbständig zu machen. Denn die vielen neuen Erfahrungen, die ich bisher machen konnte, die vielen neuen Menschen, die ich bis jetzt schon kennengelernt habe und die Möglichkeit, all‘ meine Ideen in eigene Konzepte einfließen lassen und umsetzen zu können bestätigen meine damalige Entscheidung.

 


 

Wann haben Sie sich selbständig gemacht? Gibt es für Sie das ideale Gründungsalter? Schreiben Sie mir – ich freue mich auf Ihre Kommentare!

4 thoughts on “Gründen mit 40+ – ich würde es wieder tun!

  1. Clia Vogel

    Liebe Kerstin,

    was Du da beschreibst, ist nicht so selten. Vor einigen Jahren (ich glaube es war 2010) entstand an der European Business School im Rheingau eine Doktorarbeit, die genau dieses Phänomen beschrieb. Die Verfasserin hatte mehrere hundert Unternehmerinnen befragt.

    Frauen gründen ganz oft mit Ende 30/ Anfang 40. Der Grund dafür ist meist, dass sie nach der Elternzeit im Angestelltenverhälnis keine so wahnsinnig tollen Karriereaussichten mehr haben. (Falls sie überhaupt eine angemessene Arbeit finden.) Oder aber, weil sie in diesem Alter merken, dass sie (auch als Kinderlose) nicht über die mittlere Managementebene hinaus kommen.

    1. Frau Hoffmann
      Frau Hoffmann says:

      Liebe Clia,

      Danke für Deinen Beitrag! Ich finde es großartig, dass immer mehr Frauen merken, dass man auch mit 40+ noch neu anfangen kann und das durchaus Vorteile hat. Weißt Du, wer diese Doktorarbeit geschrieben hat? Das klingt interessant!

      Viele Grüße
      Kerstin

      1. Clia Vogel

        Boah, das ist zu lange her. Ich könnte noch beschreiben, wie die Dame aussieht, weil ich bei der Presse-Präsentation war und ich ein enorm gutes visuelles Gedächnis habe. Aber ich fürchte, das hilft Dir nicht weiter. An den Namen erinnere ich mich leider nicht mehr.

        1. Frau Hoffmann
          Frau Hoffmann says:

          Kein Problem! Danke aber für den Tipp!

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