Bitte mehr Objektivität – auch das ist Sisterhood für mich

Wir Frauen sind schon manchmal seltsam: da klagen wir über noch immer mangelnde Gleichberechtigung und Chancengleichheit und hängen doch so oft in alten Verhaltensmustern gegenüber dem eigenen Geschlecht fest. Für die wunderbare Blogparade zum Thema #Sisterhood der Digital Media Women habe ich mir meine eigenen Gedanken gemacht und auch auf eigene Erfahrungen zurückgegriffen.

 

Beißen Stuten wirklich?

 

Es schon interessant, dass es überhaupt einer Blogparade zum Thema Sisterhood bedarf.  Es ist offensichtlich noch immer ein Thema, wie wir Frauen untereinander,  miteinander und zum Teil gegeneinander agieren. Dabei gibt es derzeit gerade genug wichtige Themen, bei denen wir zusammenstehen sollten, z.B. beim #Neinheißtnein.

Doch kaum sind wir wieder in unseren Büros,  scheint das normale Leben weiterzugehen. Wir neiden, wir beobachten, wir analysieren und bewerten pausenlos unsere Mitstreiterinnen. Vielleicht ein wenig überspitzt dargestellt, aber kennen werden wir solche oder ähnliche Situationen wohl alle irgendwie.

Früher nannte man dieses Phänomen auch „Stutenbissigkeit“.  Und auch ich habe schon erlebt, dass ich von anderen bewertet wurde. Ob ich eine gute Mutter bin, weil ich nach der Geburt meiner beiden Kinder und kurzen Familienpausen  wieder arbeiten gegangen bin. Oder kann ich überhaupt eine vollwertige Kollegin oder heutzutage Unternehmerin sein, wenn ich mich nicht zu 100 Prozent zeitlich einbringen kann, weil ich nachmittags auch mal auf dem Spielplatz bin oder mit meinem Großen Mathematik lernen muss?

Ich habe mitbekommen, wie andere Frauen, gut aussehend, intelligent, erfolgreich von anderen Frauen kritisch beäugt werden, ob ihr beruflicher Erfolg nicht doch auf anderen Wegen zustande gekommen ist, schließlich ist das Verhältnis zum Chef doch auffallend gut….

 

Bitte mehr Objektivität!

 

Warum tun wir Frauen das eigentlich: nach außen lächeln mit dem verbalen Messer hinter dem Rücken, anstatt anerkennend zu staunen und uns mit den Frauen gemeinsam über Erfolge zu freuen? Ist es unsere eigene Unzufriedenheit, anders zu leben, als wir es doch eigentlich möchten? Ist es unser eigenes mangelndes Selbstvertrauen, unsere nächste Karrierestufe oder eine Änderung der eigenen Lebenssituation anzugehen?

Was es auch immer ist, wir sollten damit aufhören. Selbst im Jahr 2016 findet noch immer nicht in  allen Bereichen echte Gleichberechtigung statt. Wir sollten an einem Strang ziehen und uns, wo es geht fördern und pushen. Bitte nicht falsch verstehen: unter #Sisterhood verstehe ich nicht, dass wir blind alles toll finden sollten, was Menschen tun, nur weil sie Frauen sind. Aber ich wünsche mir mehr Objektivität und ehrliche Anerkennung für das, was wir als Frauen täglich leisten, aber auch offene und ehrliche Kritik. Im übrigen wünsche ich mir das in der Begegnung mit allen Menschen, ganz gleich welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe, welchen Alters, welcher Herkunft…..

 

Drei Tipps für die Handtasche

 

  1. Bleiben wir ehrlich: wir selbst sind maßgeblich für unseren eigenen Erfolg verantwortlich. Sicher sind wir je nach beruflicher oder persönlicher Situation an Vorgaben und äußere Gegebenheiten gebunden. Aber wir können im vorhandenen Rahmen selber gestalten und Entscheidungen treffen. Wenn wir Neid gegenüber anderen Frauen spüren, ist es höchste Zeit, bei uns selbst zu schauen, was eigentlich unser Problem ist.
  2. Jede Frau ist anders, jedes Lebensmodell ist anders, auch wenn es mitunter Parallelen gibt. Hören wir auf, uns immer und überall vergleichen zu müssen. Niemand sagt, dass man mit oder ohne Kinder glücklicher, erfolgreicher oder was auch immer ist. Jeder Mensch hat mit eigenen Herausforderungen zu kämpfen, und es steht uns nicht zu, darüber ein Urteil zu fällen und ehrlich gesagt, möchten wir das über unser Lebensmodell ja auch nicht…
  3. Und noch ein Tipp für uns Mütter: keine Mutter ist wie die andere, kein Kind ist wie das andere und keine Familie ist wie eine andere. Auch hier sollten wir uns zurückhalten mit schnell gefällten Urteilen darüber, ob wir zu lange in der Elternzeit sind oder auch zu schnell wieder einsteigen, ob es für die Kinder schädlich ist, trotz Muttersein Vollzeit oder doch eher Teilzeit zu arbeiten. Ob es Kindern gut geht, hängt sehr häufig von anderen Faktoren ab, nämlich mangelnde Zuwendung, Aufmerksamkeit und Liebe. Das hat nicht immer etwas mit unserem Job zu tun.

 

Gleichberechtigung – nicht nur ein Thema der Anderen

 

Wir sollten und müssen weiterhin darauf achten und dafür einstehen, dass sich die Voraussetzungen immer weiter hin zu echter Gleichberechtigung und Chancengleichheit entwickeln. Aber das umfasst auch unser eigenes Handeln als Frauen. Auch wir schaffen durch unser Verhalten untereinander ein Klima, in dem sich echte Gleichberechtigung im Bereich von Wunschvorstellungen bewegt oder zum realen Modell wird.

 

6 Gedanken zu „Bitte mehr Objektivität – auch das ist Sisterhood für mich

  1. Liebe Frau Hoffmann ( Liebe Kerstin), ich bin begeistert von deinem Beitrag und Yes ich wünschte mir, mehr Menschen wären reflektiert, würden vor der eigenen Haustür kehren und sich ein wenig Gedanken um sich selbst zu machen. Wir sollten von den anderen lernen, nicht alles gut finden aber was wir gut finden, auch positiv zum Ausdruck bringen, unterstützen. Im Grunde ist es doch so, wer mit sich selbst im reinen ist, sich seiner Stärken und Schwächen bewusst ist, sich selbst und dem Leben gegenüber positiv eingestellt ist – wer sollte einen da ins schwanken bringen, neidisch machen, beißen lassen!!! Zum Nachdenken anregen, yes, das ist gut! Ach und übrigens, Stuten beißen tatsächlich und sie keilen aus!

    1. Liebe Cornelia,

      vielen Dank für Dein schönes Feedback auf meinen Beitrag! Dann wären wir ja schonmal zu zweit… 😉

      Viele Grüße,
      Frau Hoffmann

  2. Ja, das kann ich unterschreiben: „…wir sollten an einem Strang ziehen und uns, wo es geht fördern und pushen.“ Was mich beim Thema #sisterhood doch sehr nachdenklich macht, dass ist die Tatsache, dass die Gehälter in den Frauen-Branchen Coaching, Kommunikation, Soziales so erbärmlich sind (und ich mich deshalb vor 10 Jahren in die Männer-Domäne Bau geflüchtet habe). Zu #Sisterhood gehört auch die materielle Wertschätzung. Ja, weil wer arbeitet soll auch Geld verdienen!

    1. Liebe Farbenfreundin!
      Vielen Dank für das schöne Feedback und Ja, auch ich sehe das mit den unterschiedlichen Gehältern ebenfalls noch immer als Problem an. Ich selbst habe das vor vielen Jahren schon erlebt, aber auch heute hat sich (leider) noch nicht wesentlich etwas zum Besseren geändert.

  3. Toll geschrieben. Besonders deine Tipps für die Hosentasche gefallen mir sehr, sehr gut. Alltagstauglich und jederzeit anwendbar. Ich werde mir das mal abspeichern. 😉

    Lieben Gruß
    Anna

    1. Liebe Anna! Vielen Dank für das tolle Feedback und viel Erfolg für die Handtaschentipps (die auch in jede Hosentasche passen ;-))
      Herzliche Grüße, Kerstin

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