Alle Jahre wieder – warum Rituale auch für Erwachsene wichtig sind

Sie alle kennen sicher viele Rituale. Da gibt es religöse oder gesellschaftliche Rituale mit sehr hohem Symbolgehalt, wie bei Gottesdiensten, Hochzeiten, Examensfeiern o.a. Aber es gibt im Alltag von uns allen viele kleine Rituale, die täglich, manchmal sogar ganz unbemerkt stattfinden.

Die tägliche Gute-Nacht-Geschichte, die Ihnen Ihre Eltern vor dem Einschlafen vorgelesen haben, der Gute-Nacht-Kuss oder auch ein jeden Tag gleich lautender Zuruf beim morgendlichen Verlassen des Hauses auf Ihrem Schulweg.

Wenn Sie heute selber Kinder haben, werden Sie viele Rituale aus Ihrer Kindheit an Ihre eigenen Kinder weitergeben, vielleicht in leicht abgewandelter Form. Vielleicht haben Sie auch neue Rituale erfunden oder Ihre Kinder haben nach und nach eigene kleine Rituale für sich entdeckt.

 

Angestaubter Schnickschnack oder wichtige Aufgabe?

 

Aber was hat es eigentlich auf sich mit diesen Ritualen? Viele Menschen verbinden mit Ritualen erst einmal unflexible Abläufe und Strukturen. Das wird für viele Rituale, die es schon seit langer Zeit gibt, auch zutreffen. Mir geht es aber um die kleinen, feinen Rituale in unserem Alltag, die in erster Linie Halt geben, weil der Tag dadurch gewohnte und sichere Stationen aufweist.

Wenn am Abend die Gute-Nacht-Geschichte kommt ist alles gut und dann ist der Tag beendet. Gerade für Kinder sind Rituale immens wichtig, denn sie geben ihnen die nötige Sicherheit. Der Tag wird dadurch überschaubar für sie. Gerade in den frühen Jahren haben sie noch nicht das Zeitgefühl wie wir Erwachsenen und können dadurch noch schwer abschätzen, was als nächstes passieren wird.

 

Brauchen Erwachsene Rituale?

 

Aber auch uns Erwachsenen geben Rituale Halt und Sicherheit. Ich selbst bin ein großer Fan von kleinen Ritualen. So gibt es bei mir immer am Nachmittag einen Kaffee und ein paar Minuten Pause. Selbst in der größten Hektik mit schreienden Kindern gönne ich mir diese kleine Auszeit. Ein anderes Ritual ist unser Weihnachtsbaumritual, das sich mit meinen Kindern so entwickelt hat: zwei Tage vor Weihnachten stelle ich unseren Weihnachtsbaum auf, die meine Jungs dann eifrig schmücken.

In der Adventszeit zünden die meisten von uns Kerzen an und schaffen sich so ein Gefühl von Geborgenheit und Wärme – auch ein Ritual, genauso wie mit allen Kollegen wie jedes Jahr kurz vor Weihnachten gemeinsam zu feiern und auf das endende Jahr zurückzuschauen.

Gerade in schwierigen Zeiten können Rituale festen Halt geben. So kann es gerade in der ersten Zeit nach dem Tod eines nahen Angehörigen wie dem des Partners wichtig sein, gemeinsame Rituale erst einmal weiterzuführen. Das gibt etwas Sicherheit und man fühlt sich dadurch dem Verstorbenen weiterhin nah. Oft werden diese Rituale noch lange weitergeführt, bis sie vielleicht durch neue ersetzt werden oder einfach das Leben wieder so viel Halt bietet, dass man darauf verzichtet.

 

Kein Zwang

 

Rituale dürfen allerdings nicht einengen oder zu einem Zwang werden. Es geht vielmehr um wiederkehrende Handlungen, die unser Leben und unseren Alltag strukturieren. Man kann auch durchaus ohne Rituale durchs Leben gehen – sie sind nicht zwingend erforderlich, um ein sicherer Mensch zu sein. Aber im positiven Fall geben Sie Ruhe und sind ein Anker im oft zu hektischen und stürmischen Alltag.

Es bloggte Kerstin Hoffmann-Wagner


Welche Rituale haben Sie – vor allem jetzt in der Weihnachtszeit? Wie wichtig sind Ihnen Rituale? Wir freuen uns über Ihre Kommentare und Nachrichten!

 

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